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Mapping Game - App in die Geschichte

Bild: Screenshot (Ausschnitt aus: http://app-in-die-geschichte.de/, Letzter Zugriff 01.10.2019)
Bild: Screenshot (Ausschnitt aus: http://app-in-die-geschichte.de/, Letzter Zugriff 01.10.2019)

Blicke sagen mehr als tausend Worte … oder? Der richtige Blick ist es, der es ausmacht, wie wir unser Umfeld wahrnehmen. So betrachtet auch das Mapping Game das mobile Geschichtslernen aus einer ganz anderen Perspektive und eröffnet dem Nutzer ganz neue Erfahrungsmöglichkeiten der Vergangenheit. Denn die Vergangenheit ist viel mehr als eine Sache der Perspektive.

 

Das Mapping Game ermöglicht es den Nutzern, die historischen Ansichten von Gebäuden oder Bauwerken aus der heutigen Perspektive wahrzunehmen, die Entwicklungen der Gebäude im Blicke der Zeit zu verdeutlichen und zur Frage nach dem „Wieso?“ der regional- historischen Veränderung anzuregen. Diese essentiellen Fundamente der forschenden Geschichtswissenschaft in eine Browser-App zu stecken und diese dem Unterrichtseinsatz dienlich zu machen, liegt im Interesse der Entwickler. Von dieser Idee sind viele Gymnasiallehrer sowie die Bundeszentrale für politische Bildung, die Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz und das Stadtarchiv Koblenz begeistert.

 

Die Nutzung der App ist recht simpel gehalten. Die Lehrkraft meldet sich zunächst bei der App an, fügt die Schüler hinzu und schon kann es losgehen. Als Vorlage dient eine historische Ansicht eines bestimmten Bauwerkes. Vor Ort versuchen die Schüler dieses Bauwerk perspektiventreu wie auf dem Abbild zu fotografieren. Das Foto laden sie hoch, beschreiben es kurz und lokalisieren es. Nachdem das System die Perspektivengenauigkeit überprüft hat, können die Schüler sich gegenseitig bewerten und je nach Punktzahl im Highscore aufsteigen.

 

Die App selbst verspricht im eigenen Archiv über 80.000 Einheiten Quellmaterial. Aus diesem stammen auch die Bilder für das Mapping Game. Die Quellen entspringen der Zusammenarbeit mit regionalen Archiven wie dem Stadtarchiv Koblenz. Gründe für einen Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit oder der geschichtswissenschaftlichen Darstellung sollten nicht vorhanden sein. Inwiefern und wie oft eine Aktualisierung stattfindet, wird nicht angegeben. In diesem Sinne wären für das Mapping Game ältere Darstellungen sogar viel besser, da sie zu einer besseren Auseinandersetzung mit dem Quellmaterial führen würden.

 

Die App selbst befindet sich noch in der Entwicklungsphase, aus welcher noch viel entstehen kann. Im jetzigen Zustand ist sie kostenfrei und beinhaltet keine In-App-Käufe. Dennoch sind folgende Aspekte zu bemängeln: Die App ist nur in einem Browser nutzbar, was die Bedienung im Vergleich zu einer mobilen App erschwert. Die Perspektivenkontrolle ist ziemlich streng, so dass schon minimale Abweichungen bemängelt werden. Für den Nutzer dürfte dies auf Dauer störend sein. Voraussetzung für die Nutzung sind eine bestehende Internetverbindung sowie Zugriff auf die GPS-Funktion.

 

Das Mapping Game bietet den Schülern die Möglichkeit, die Geschichte am Standort wahrzunehmen – und zwar die Geschichte im Sinne ihres Wandels bis heute. Der Ausgangszustand und die Veränderungen sollen aufzeigen, dass Geschichte durch Äußeres beeinflussbar ist. Die Intention des Urhebers einer Quelle ist fundamental für das Verständnis der Quelle selbst. Demzufolge soll die Perspektive, der Blick hinterfragt werden. Dies birgt das Potential, Schülern mit eigenen Erkenntnissen die Bedeutung von Quellenkritik aufzuzeigen und damit ihre Herangehensweise an die Geschichte zu schulen – nicht bei historischen, sondern auch bei gegenwärtigen Quellen.

 

Der Blick auf das Mapping Game (App in die Geschichte) wird sicherlich jeder Lehrkraft neue Perspektiven eröffnen. Doch es gilt die richtige Perspektive im richtigen Moment zu ergreifen. Somit bietet die App nicht viel, aber dennoch etwas Essentielles: Sie vereinfacht den Einstieg in die Quellenkritik bzw. das Quellenverständnis. Dem Mapping Game verleihe ich hiermit 3 von 5 Sternen, denn in seiner jetzigen Form fungiert es nur als ein Gerüst, welches mit reichlich Kreativität gefüllt werden kann. Daher können experimentierfreudige Lehrkräfte diese App sorgenfrei in Betracht ziehen.

 

 Ein Beitrag von Samet Servet Kaya

Quellen zu diesem Text

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