Mit Volldampf Richtung Industrialisierung

Gleich zu Beginn können Besuchende selbst Fahrt aufnehmen, Bild: Corwin Schnell.
Gleich zu Beginn können Besuchende selbst Fahrt aufnehmen, Bild: Corwin Schnell.

Mössingen ist eine große Kreisstadt in Baden-Württemberg, die sich rund 15 Kilometer südlich von Tübingen am Fuße der Schwäbischen Alb befindet. Im 19. Jahrhundert war die Lage des damaligen Dorfes durch wirtschaftliche Armut geprägt: Der um 1800 so beliebte Mössinger Branntwein, fand beispielsweise nach dem Ende der Napoleonischen Kriege 1815 keinen rentablen Absatz und auch für die meisten Handwerker gab es keine Arbeit mehr. Viele Mössinger mussten als Saisonarbeiter in benachbarten Regionen oder sogar im Ausland nach Arbeit suchen, um die Familie ernähren zu können und die Auswanderungsrate war eine der höchsten im Land.

1869 wurde Mössingen dann an das immer größer werdende württembergische Eisenbahnnetz angeschlossen, was für die Region einen wirtschaftlichen Schub bedeutete. Über die nächsten Jahre wuchs die Industrie weiter und in Mössingen wurde produziert – vor allem Textilien (z.B. durch die Buntweberei 'Gebrüder Burkhardt'), aber auch Tresore (von Georg Mader) und Tische (Stuhl- und Tischfabrik 'Jakob Gauger & Söhne'), und dadurch Arbeit geschaffen. An der aufblühenden Wirtschaft ist zu erkennen, was für einen Einfluss die Anbindung Mössingens an das Eisenbahnnetz für die Bewohner*innen bedeutete. Diese Entwicklung veranschaulicht die Stadt mit der Ausstellung "Weichenstellung – mit der Eisenbahn kam die Industrie“.

Liebhaberstücke von Sammlern aus der Region, Bild: Corwin Schnell.
Liebhaberstücke von Sammlern aus der Region, Bild: Corwin Schnell.

Über Züge und was sie brachten

Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Eisenbahnkultur. Die präsentierten Objekte reichen von originalen Weichen, Schildern und Bahnarbeiteruniformen über Loklampen bis hin zu Werkzeugen und Miniaturnachbildungen einzelner Bahnen. Die meisten Exponate stammen von Eisenbahnsammlern aus der Region um Mössingen. Da der einhergehende wirtschaftliche Aufschwung auch ein zentrales Thema der Ausstellung ist, werden außerdem Firmenschilder sowie die Erzeugnisse der verschiedenen Unternehmen, wie z.B. 'Merz' und 'Amann & Söhne' ausgestellt. Diese Ausstellungsstücke sind aus der städtischen Museumssammlung. Begleitet werden die Objekte durch Fotos und Informationstafeln, die eine einführende beziehungsweise beschreibende Funktion erfüllen und das Gesehene mit Hintergrundwissen ergänzen. Durch das zurückhaltende Raumdesign und mithilfe einzelner Scheinwerfer, werden die Objekte in Szene gesetzt.

 

 

Ein schönes Plätzchen

Dass es sich beim Veranstaltungsort einmal um eine Scheune gehandelt hat, ist nicht nur dem Namen zu entnehmen: die Ausstellung befindet sich in einem großen Raum – in eben dieser alten Scheune. Direkt am Eingang wird man mit einem Plakat begrüßt, auf dem erklärt wird, worum sich die Ausstellung dreht und wie sie zeitlich einzuordnen ist. Danach haben die Besucher*innen freie Wahl, was sie sich anschauen möchten. Im Eingangsbereich, der durch eine kleine Treppe vom Rest der Ausstellung getrennt ist, befinden sich diverse Objekte zur Eisenbahn und sogar eine kleine Strecke mit verschiedenen Loks und Wagons darauf, die durch das Drücken eines Knopfes Fahrt aufnehmen. Aufgebaut wurde sie von einem Eisenbahn-Begeisterten Mössinger. Im oberen Teil der 'Kulturscheune' befindet sich neben Erzeugnissen der neu gegründeten Firmen und weiteren Bahnobjekten ein Café, bei dem sich Groß und Klein mit Getränken und selbstgebackenem Kuchen versorgen können. Die 'Kulturscheune' bietet für solch eine kleine aber detaillierte Ausstellung einen guten Raum, kein Wunder also, dass sie der Ort für die verschiedenen stadthistorischen Wechselausstellungen in Mössingen ist. Klein gehalten, aber für Liebhaber*innen und Geschichtsinteressierte durchaus ansehnlich. Das Konzept scheint anzukommen, denn mit über 950 Gästen in einem Zeitraum von zwei Monaten ist die Ausstellung für Mössinger Verhältnisse gut besucht.

Die Richtung stimmt! Bild: Corwin Schnell.
Die Richtung stimmt! Bild: Corwin Schnell.

Ein Kurztrip in die Vergangenheit

Ein Besuch der Ausstellung ist allen geraten, die sich für Geschichte rund um das Thema ‚Industrielle Revolution‘ und für die süddeutsche Eisenbahnkultur interessieren. Hier wird Wissen in einer gemütlichen Atmosphäre vermittelt und veranschaulicht. Da die Ausstellung recht klein gehalten ist, kann man sich innerhalb einer guten halben Stunde alles anschauen. Wenn Sie ein Ausflugsziel für einen Mittwoch- oder Sonntagnachmittag suchen und einen Blick in das 19. Jahrhundert werfen wollen, dann sind Sie hier genau richtig!

 

Ein Beitrag von Corwin Schnell


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Daten im Überblick

 

Museum: Kulturscheune Mössingen

Ausstellung: Weichenstellung

Zeitraum: 16.11.2018-28.7.2019

Kontakt: Brunnenstraße 3/1, 72116 Mössingen

Öffnungszeiten: Mittwoch 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr, Sonntag 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Eintrittspreise: kostenlos

Besonderheiten:
Gastronomie (Kaffee)
Behindertengerechte Einrichtungen vorhanden

Hinweise des Museums:

Die Ausstellungsräumlichkeiten und das Café im Erdgeschoss sind auf allen Ebenen kinderwagen-/ rollstuhlgerecht.

Der Veranstaltungsraum im Dachgeschoss ist nur über Treppen erreichbar.



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