Eine Stunde History: Geschichte, aber immer mit Bezug zur Gegenwart

Die Sendung „Eine Stunde History“ auf Deutschlandfunk Nova (externer Link) ist eine Erfolgsgeschichte. Hunderttausende Menschen laden sich jede Woche den Podcast zur Sendung herunter. Das macht die abendliche Radiosendung auf einem Digitalkanal zu einem der meistgehörten Podcasts in Deutschland. Und das mit historischen Themen. Constantin Pläcking hat die Macher um Matthias von Hellfeld in Köln besucht und sie gefragt, was das Geheimnis hinter der Sendung ist:


Bild: Constantin Pläcking.
Bild: Constantin Pläcking.

Der Deutschlandfunk (externer Link) sitzt in Köln in einem Hochhaus im 70er-Jahre-Stil etwas außerhalb der Stadt in Richtung Bonn am Radeberggürtel. Das Haus sieht ein wenig so aus, als ob es von einem Architekten mit Vorliebe zum Balance-Spiel Jenga gebaut worden wäre. Und auf dem Flur hört man auch: So stabil wie es aussieht, ist es auch. Das Nachbargebäude hätte man deswegen auch nicht sprengen können. Von hier aus kommt jede Woche der erfolgreichste Geschichtspodcast Deutschlands. Die Sendung gibt es seit dem 8. Mai 2016 und je nachdem, wen man fragt, rangiert die Sendung in den Charts in den Top-10, mindestens aber in den Top-20 der deutschen Podcastszene. Redaktionsleiter Dr. Matthias von Hellfeld sitzt im Regieraum eines kleinen Studios ohne Fenster im ersten Stock des Gebäudes. Moderatorin Meike Rosenplänter führt mit einem Professor ein Interview zum Thema Opium. Später zeichnen die beiden noch die Gespräche auf, die sie Side-Kick nennen. In denen tritt von Hellfeld als Experte auf. Mit eigenem Ankündigungsjingle. An diesem Dienstag zeichnet das Dreier-Team der Sendung, zu dem noch Moderator Markus Dichmann gehört, Teile für mehrere Sendungen auf. Zum Opium kommen noch Ernst Moritz Arndt und Simón Bolívar hinzu. Über mehrere Produktionstage entstehen so gleichzeitig verschiedene Sendungen, die erst mehrere Wochen später veröffentlicht werden. Jede Sendung hat ähnliche Bausteine. Ein Experteninterview, einen Beitrag eines Autors und die Side-Kicks mit von Hellfeld. Gesendet wird dann immer montags um 20 Uhr, den Podcast gibt es schon vor dem Wochenende am Freitag.


Wie ist es zu dieser Sendung gekommen?

Matthias von Hellfeld: Das war eigentlich Zufall. Der Deutschlandfunk hat eine Lücke im Bereich Geschichte gesehen und ich wollte mich weiterentwickeln. Viele jüngere Leute sind auf der Suche nach Dingen, die unseren Alltag bestimmen und ich als Historiker sage, dass man häufig Antworten beim Blick in die Vergangenheit findet. Nur wenn man weiß, wo man herkommt, weiß man, wo man hingeht. Und das ist auch das Prinzip von Eine Stunde History (externer Link) bei Deutschlandfunk Nova geworden. Wir machen tatsächlich Sendungen über Ereignisse, deren Relevanz bis heute spürbar ist.

 

Relevanz ist natürlich ein Hauptkriterium für journalistische Formate. Wie sieht das hier genau aus?

Matthias von Hellfeld: Ich weiß, das klingt sehr theoretisch, aber nur auf den ersten Blick. Zum Beispiel haben wir eine Sendung über die Nürnberger Prozesse gemacht. Das ist ein Thema, das schon viele vor uns gemacht haben, aber niemand hat dabei erzählt, dass diese die Vorlage für den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag waren. Wir haben eine Sendung über die Secessio Plebis des Römischen Volkes im 3. und 5. Jahrhundert vor Christus gemacht. Da wird häufig erklärt, dass es ein Generalstreik war, aber im Prinzip ist daraus das Plebiszit, also die Volksabstimmung geworden. Die meisten denken, das haben die Schweizer erfunden. Das ist aber nicht so. Wir suchen uns Themen, die für uns heute noch Relevanz haben. Damit erklären wir, dass wir alle biologisch natürlich Zufallsprodukte sind. Aber politisch, historisch und sozial sind wir Teil einer ganz langen Kette und wir haben von jedem unserer Vorfahren etwas mitbekommen. Und deswegen ist es auch interessant, sich die Frage zu stellen: Funktioniert die Europäische Union nach Prinzipien, die in Europa entwickelt wurden, oder wurde die von außen aufgestülpt. Und all diese Dinge versuchen wir in kleinen Häppchen mit einer modernen Sprache, oder einer Sprache die jüngere Leute sprechen, zu erklären.

 

Dieser Podcast ist erfolgreich. Er rangiert unter den Top-10 der deutschen Podcast-Charts. Wie fühlt sich das an, wenn man erfährt, dass das offensichtlich Menschen erreicht?

Matthias von Hellfeld: Das ist für uns natürlich super. Es ist auf jeden Fall besser, als wenn du in deiner Nische hockst und keiner will es hören und es freut uns als Team aus zwei Moderatoren, den Autoren und mir natürlich. 


Bild: Constantin Pläcking.
Bild: Constantin Pläcking.

Auch wenn Matthias von Hellfeld der Chef der Sendung ist, spielen die beiden Moderatoren eine große Rolle. Sie bereiten sich auf die Interviews vor und schreiben die Moderationen zum Thema. Und da muss man auch mal flexibel sein, denn am Telefon ist an diesem Dienstag auf einmal der falsche Experte. Mit dem gleichen Namen, wie ein anderer Professor. Doch Moderatorin Meike Rosenplänter schafft die Umstellung schnell, sie lädt einfach das andere Thema im System. Fast ohne Verzögerung werden von ihr dem richtigen Mann die richtigen Fragen gestellt.

Wahrscheinlich schlägt der Vorführeffekt zu. Eine weitere Panne passiert an diesem Dienstag nämlich auch noch. Der Beitrag eines Autors über 100 Jahre Arbeiterwohlfahrt fällt aus. Offensichtlich ist das in der Planung untergegangen. Das komme sehr selten vor, meint von Hellfeld, aber jetzt muss er Ersatz finden. Ein Beitrag aus dem Deutschlandfunk von vor 20 Jahren wird aus dem Archiv geholt. Der klingt zwar nicht wie Deutschlandfunk Nova normalerweise klingt, aber er funktioniert. Für von Hellfeld bedeutet das jetzt allerdings viel Papierkram, denn einfach so etwas aus dem Archiv zu senden, ist nicht so einfach möglich.


Woher kommt das Interesse aus Ihrer Sicht? 

Matthias von Hellfeld: Ich glaube, dass der Punkt uns so ein bisschen in die Karten spielt, dass es heute eine sehr komplizierte Gegenwart ist, die ich natürlich auch nicht erklären kann. Da stehe ich auch manchmal fassungslos vor dem Phänomen, einen Komiker zum Präsidenten in der Ukraine zu wählen oder einen Egozentriker in Amerika oder auch Leute an den Start zu bringen wie Herrn Erdoğan oder Herrn Putin, die offenbar reine Machtpolitik betreiben wie vor 30, 40 Jahren. Das macht einen schon unsicher und dann haben wir überall die Populisten, die mit einfachen Antworten auf komplizierte Dinge kommen. Viele Leute glauben das nicht und wenden sich dann möglicherweise an solche Formate wie Eine Stunde History. Und deswegen haben wir einen relativen Boom. Ich glaube aber auch, dass es damit zusammenhängt, dass wir uns so ein bisschen abheben. Es ist ein Wort-Programm, es gibt keine Musik im Podcast. Wir bleiben relativ ernsthaft und relativ kompakt an einem Thema. Und wenn man sich die Formate in den Top 10 ansieht, dann sind das alles lange Wort-Programme. Das Wort feiert eine Wiederauferstehung im Radio, beziehungsweise im Podcast und das ist eigentlich auch ganz gut gegenüber all jenen, die sagen man müsse das Wort-Programm kürzen.

 

Ihre Sendung macht Geschichte für die breite Öffentlichkeit. Aber normalerweise wird Geschichtswissenschaft an der Universität gemacht. Da schreibt jemand zum Beispiel Artikel für historische Zeitschriften, die dann eine Handvoll Menschen lesen. Was unterscheidet Ihre Arbeit von der Arbeit in der Universität?

Matthias von Hellfeld: Also im besten Fall - nicht immer - aber im besten Fall haben wir die wissenschaftliche Literatur konsumiert  und sind einigermaßen auf dem Stand der Dinge. Und das brechen wir runter auf Normalverständnis, für ein nicht vorgebildetes Publikum und machen es in Alltagssprache. Das heißt, wir sind im Grunde genommen ein Scharnier zwischen Wissenschaft an der Hochschule und dem Publikum. Die haben meinetwegen tagsüber irgendeinen Job und abends oder beim Joggen hören sie den Podcast oder die Sendung an. Das muss nicht nur unser Podcast sein, aber dadurch bilden sich viele und finden einen Ausgleich.

 

Was meinen Sie mit Ausgleich?

Matthias von Hellfeld: Wir geben wahrscheinlich indirekt für manche Probleme Antworten. Wir wissen das wahrscheinlich gar nicht, aber wir bekommen immer wieder Zuschriften von Hörern, die uns sagen, sie verstünden jetzt endlich warum Polen so ist, wie Polen ist. Und das sind Fragen, die wir beantwortet haben, ohne dass wir wussten, dass diese Fragen existieren, weil einfach die Beschäftigung mit dem Thema das den Menschen erklärt hat. Und dadurch rufen wir auch zu bürgerschaftlichem Engagement auf. Man muss sich ja auch in die Demokratie einmischen. Und da muss man auch zurückschauen. Wir sind im Prinzip die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft.

 

Ist Demokratieförderung ein klares Ziel für die Sendung?

Matthias von Hellfeld: Ja, das ist das Ziel. Wir lassen keine Gelegenheit aus, uns klar zu positionieren. Wir machen, je nachdem welche Themen gerade dran sind, auch aktuelle Bezüge. Wir haben etwa die Sendung über Ernst Moritz Arndt. Das ist ein aktueller Bezug der rechte Terror in Halle im Bezug zum Antisemitismus. Das passt thematisch zu Greifswald und Arndt. Wir sagen, dass es Antisemitismus heute auch gibt und zwar massiv. Das impliziert natürlich auch, dass wir uns davon distanzieren und uns gegen diese Einflüsse wehren. Wir nehmen wirklich andauernd Stellung gegenüber populistischen Strömungen in Deutschland und Amerika und anderswo, weil wir einfach sagen, dass die Welt kompliziert ist und es keine einfache Antwort gibt. Das schließt sich aus. Es gibt nicht Schwarz und Weiß, sondern es ist immer Grau und insofern sind die Antworten immer kompliziert und immer mit Nachteilen für alle verbunden. Es ist niemals so, dass du deine Position 100 Prozent durchsetzen kannst. Was uns zum Beispiel der amerikanische Präsident suggeriert, was aber Quatsch ist.

 

Wann wird etwas für die Sendung zum Thema und wann fällt es raus?

Matthias von Hellfeld: Das Kriterium ist tatsächlich, ob das Thema irgendetwas mit uns zu tun hat. Das ist der Idealfall und in 80 Prozent der Fälle werden wir dem gerecht. Und dann gibt es so Themen, die sind so geil, die würden wir einfach gerne machen. Zum Beispiel gibt es nächstes Jahr ein Beatles-Jubiläum. Und dann machen wir eine Sendung über die Beatles, um sie einfach unserem jüngeren Publikum wieder präsent zu machen. Aber gleichzeitig fragen wir uns, warum jeder bestimmte Lieder mitsingen kann und andere Lieder nicht. Was ist der Kick, dass ein Song wie Imagine überlebt, so ähnlich wie Beethovens Neunte. Warum funktioniert das? Es ist ja ganz einfach die Melodie. Die überlebt.

 

Die Themen werden einmal im Jahr in einer großen Konferenz bestimmt, aber manchmal kann auch aktuell etwas dazwischenkommen. Wie gehen Sie damit um? Wird der Plan auch mal verworfen?

Matthias von Hellfeld: Ja, aber selten. Wir haben eine Sondersendung zum Tod von Helmut Kohl gemacht und das Programm verworfen. Das war uns so wichtig, dass wir etwas anderes rausgeschmissen haben. Aber das passiert relativ selten, der Regelfall ist tatsächlich, dass wir völlig unabhängig von aktuellen Ereignissen handeln. Stattdessen versuchen wir, Diskussionen aufzugreifen und Hintergründe zu liefern.

Ich nehme mir jetzt mal das Beispiel Polen. Die regen sich darüber auf, dass wir eine Gasleitung von Russland nach Deutschland bauen, unter Umgehung Polens. Und sie rufen sofort Hurra wenn die Amerikaner Abwehrraketen gegen irgendwen aufstellen möchten. Das lässt Polen sofort zu. Und dazu haben wir eine Sendung über die polnischen Teilungen von 1772 gemacht und daran erklärt, dass Polen mehrfach Opfer von Raub und Mordlust seiner Nachbarn wurde und zwar glaube ich acht oder neun Mal bis zum heutigen Tag. Und die haben die Schnauze voll davon, sowohl von Deutschen, Österreichern oder Russen nochmal okkupiert oder nochmal bevormundet zu werden. Das ist bei denen 30 Jahre her. Die Menschen, die das mit dem Sowjetsystem mitbekommen haben, leben alle noch. Davor waren die Deutschen dort und haben das Land verwüstet. Und da sind die Erfahrungen halt anders, als bei uns. Und da kann man dann auch verstehen, dass die in der EU anders agieren als wir, obwohl ihre Bevölkerung zu 80 Prozent dafür ist, in der EU zu bleiben.

 

Bild: Constantin Pläcking.
Bild: Constantin Pläcking.

Sie sind für die Sendung der Redaktionsleiter, aber treten on-air als Side-Kick auf. Warum ist das so?

Matthias von Hellfeld: Das ist einfach die Funktion, die ich da habe. Man könnte es auch Co-Moderation nennen. Aber wir haben das als Gespräch aufgebaut und ich komm so ein bisschen wie Kai aus der Kiste und fülle die Lücken, die bleiben und von den Interviews nicht abgedeckt wurden.        In den Interviews haben wir Hochschulprofessoren, wir haben manchmal prominente Politiker. Gregor Gysi und Peer Steinbrück oder Sahra Wagenknecht, sie können reden, aber es gibt eben auch Professoren, die sind nicht so erfahren am Mikrofon. Da muss man Rücksicht nehmen auf eine gewisse Unbeholfenheit. Also suche ich mir dann Brücken, damit diese Sendung einigermaßen rund wird. Wenn man zum Beispiel etwas über die Völkerwanderung macht, dann kann man nicht fünfhundert Jahre Römische Geschichte erklären, das ist ausgeschlossen. Aber ich kann eben trotzdem rote Linien bauen, die sich die Hörerinnen und Hörer merken können.

 

Gibt es für die Sendung ein Vorbild aus dem Ausland? Häufig werden erfolgreiche Konzepte ja übernommen. 

Matthias von Hellfeld: Es gibt überhaupt kein Vorbild. Der Titel ist an das Format von Deutschlandfunk Nova angepasst, aber die Art und Weise hab ich nirgends woanders gehört. Wie wir das machen, liegt auch ein bisschen an mir, weil ich mich jetzt wirklich seit vielen Jahrzehnten mit Geschichte beschäftige. Ich schreibe Bücher, halte Vorträge. Ich mache Features und Filme über Dinge, die ich gerne erklären würde. Ich bin kein Wissenschaftler, ich forsche nicht selber. Mein Ziel ist es, die Themen so aufzubereiten, dass es immer noch richtig ist, aber trotzdem verständlich.

 

Also Journalismus. Sie sind aber auch Doktor der Geschichte. Wie kam es, dass sie danach nicht an der Universität bleiben wollten?

Matthias von Hellfeld: Ich hatte tatsächlich die Möglichkeit und habe aber gesehen, dass im Archiv sitzen nicht mein Ding ist. Das ist ja für Historiker das Tagesgeschäft. Du musst in irgendeinem Archiv Akten wälzen, mit Handschuhen vorsichtig Umblättern, weil die schon alt sind. Mich hat ehrlich gesagt eher das Generelle interessiert. Schon bevor die Promotion fertig war, hatte ich schon zwei Bücher geschrieben. Dazu hab ich beim WDR damals Radio machen können und hab dann Spaß daran gefunden. Ich habe dann eine ganz lange Zeit überhaupt nichts mit Geschichte gemacht, sondern aktuell gearbeitet. Das fand ich auch sehr spannend. Zu der Zeit hatten wir die deutsche Einheit, die Maastrichter Verträge, also viele welthistorische Dinge, über die wir reden konnten.

 

Und irgendwann bin ich dann davon weg und es hat auch tatsächlich einen ganz konkreten Anlass: Wenn du deinen Schulatlas aufschlägst, dann wirst du auf der einen Seite das Reich Karls des Großen von etwa 800 sehen. Legt man dann die Karte der Gründung der Europäischen Gemeinschaft von 1957 dazu, dann stellt man fest, dass das sehr ähnlich ist. Da liegen fast 1200 Jahre zwischen. Das hat mich fasziniert: Irgendwie müssen diese Länder etwas miteinander zu tun haben.

 

War diese Erkenntnis ein Schlüsselerlebnis für Sie?

 Matthias von Hellfeld: Ja, das kann man schon sagen. Das ist ungefähr 20 Jahre her und hat mich erstmal erstaunt. Dann hab ich mich weiter damit beschäftigt. Und dann passte das auch biografisch bei mir ganz gut. Ich hatte Zeit das zu tun. Daraus hat sich dann das eine oder das andere weiterentwickelt und das ist jetzt so der Stand im Moment.

 

Sie machen mit WRINT auch einen weiteren Podcast, der für den Unterricht bestimmt ist. Wie kam das?

Matthias von Hellfeld: Das mache ich nicht direkt. Im Grunde genommen war das eine Idee eines Studenten von mir. Und wir haben dann eine unglaublich große Reaktion darauf bekommen. Die Leute fanden das super. Wir haben eine große treue Gemeinde die sich einmal die Woche den Geschichtsunterricht anhört. Aber das ist wirklich sehr oberflächlich und soll eigentlich nur auf das Thema aufmerksam machen. Das ist da alles ungeschnitten und manchmal passieren mir Fehler. Dann gibt es eine Riesen-Debatte und daran merkt man einfach, dass viele Leute das intensiv hören und sich entsprechend aufregen, wenn ich einen Fehler mache. Aber auch Eine Stunde History wird im Unterricht verwendet. Wir bekommen häufig Reaktionen von Schülern und auch von Lehrern die Fragen, ob sie das im Unterricht einsetzen dürfen: Natürlich darf man das.

 

Die Sendung ist beliebt, aber wie genau sind die Abrufzahlen?

Matthias von Hellfeld: Bei den beiden großen Anbietern Spotify und iTunes kommen wir zusammen auf  knapp 200.000 Abrufe. Und dazu kommen dann nochmal die Hörer der Sendung im Radio. Das sollen etwa 30.000 sein. Und dann kommen nochmal 25.000 in der Audiothek dazu und das konstant seit ungefähr 150 Folgen. Das ist schon ein relativ stabiler Wert, der ja auch ein bisschen steigt. Und es gibt dann halt so Ausreißer. Bei Spotify ist es zum Beispiel ist die Sendung über den Hitler-Stalin-Pakt mit Abstand am erfolgreichsten. Das glaubt man fast nicht, aber bei iTunes ist es die Sendung über Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft. Ich hätte ja als Radiomacher gesagt, man darf über Die Kritik der reinen Vernunft keine Sendung machen, weil das ein Lesestoff, aber kein Hörstoff ist. Das ist wirklich furztrocken und sehr intellektuell. Aber die Sendung läuft in den Abrufen wie geschnitten Brot. Wahrscheinlich hat sie sich jeder Philosophiestudent angehört.

 

Die anderen Podcasts in den Charts sind mehr unterhaltende Talk-Programme, wie Böhmermann oder gemischtes Hack.

Matthias von Hellfeld: Es gibt immer welche die hoch ploppen und dann wieder runter gehen, aber wir bleiben immer oben. Also wir sind nicht auf der Eins, aber zwischen fünf und 15 und bei Spotify sogar noch besser. Die sind mittlerweile ganz begeistert und möchten gerne noch mehr mit uns machen. Wobei das natürlich schwierig wird, weil das ein Privatunternehmen ist und wir sind ein öffentlich-rechtlicher Anbieter und möchten das auch gerne bleiben.

 

Das sind also die meistgehörten Sendungen, aber was ist eigentlich Ihre persönliche Lieblingssendung von 'Eine Stunde History'?

Matthias von Hellfeld: Es gibt ein paar Sendungen, die ich wirklich sehr gelungen finde. Dazu gehört eine, von der ich überhaupt keine Ahnung hatte, nämlich Comics. Wir haben erst grade eine Sendung gemacht über Marvels Comic Nr.1. Und da haben wir den Spieß umgedreht. Da bin ich zum Moderator geworden und Markus Dichmann zum Side-Kick.

Ganz witzig war die Sendung über das Bernsteinzimmer. Ich hab das mal gesucht und wir haben das lange Zeit als Running Gag gehabt. Ich bin der Typ, der das Bernsteinzimmer beinahe gefunden hätte. Dann habe ich erklärt wie es wirklich war.

Ich fand die Sendung über Beethovens Neunte wunderbar, weil wir den Versuch gemacht haben, auch klassische Musik einzuspielen. Das ist total gut angekommen. Aber es gibt natürlich auch Themen, die sind für mich eine Sendung von vielen.

 

An jedem Ort, an dem Menschen arbeiten, passieren auch Fehler. Wie gehen Sie damit um?

Matthias von Hellfeld: Ich muss ungefähr 160 Gesprächspartner pro Jahr suchen. Und genau so viele Side-Kick-Manuskripte schreiben und 50 oder 60 Manuskripte abnehmen. Das ist schon ein Haufen Arbeit und da passieren auch tatsächlich Fehler, das ist klar. Wir haben ab und zu eine Sendung wie die Schlacht auf dem Amselfeld. Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat Anspruch Serbiens auf das Kosovo angemeldet. Und das ist natürlich bei den Serben, Kosovaren und Albanern hier in Deutschland mit großen Ohren gehört und dann auch kritisiert worden. Und dann habe ich mal Friedrich dem Großen einen Sohn angedichtet, obwohl es sein Neffe war. Der Friedrich war nämlich schwul und er hatte keine Kinder. Also solche Sachen, die passieren, aber dann kriegst du sofort jede Menge Zuschriften. Und dann wird korrigiert oder wir lassen es manchmal auch so laufen.

 

Ein Beitrag von Constantin Pläcking

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