Leitung eines Stadtmuseums: Interview mit Andrea Kugler

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Bild: Andrea Kugler/ Stadtmuseum Nördlingen.
Bild: Andrea Kugler/ Stadtmuseum Nördlingen.

Das Stadtmuseum Nördlingen wird seit 1994 von Andrea Kugler geleitet. Sie hat von 1987 bis 1993 Kunstgeschichte an der Universität Augsburg studiert. Die Studentin Lucia Böck hat sie zu ihrem Werdegang und den Aufgaben einer Museumsleiterin befragt.

 

Wie sind Sie dazugekommen, Kunstgeschichte zu studieren?

Bei uns an der Schule, dem Allgäu Gymnasium in Kempten, fand eine Berufsberatung statt. Dort stellte ein Dozent der Universität Augsburg das Fach Kunstgeschichte vor. Dieser Vortrag hat mich begeistert und dazu animiert, Kunstgeschichte an der Universität Augsburg zu studieren.

 

Was hat Sie am meisten an dem Fach Kunstgeschichte fasziniert?

Die Bandbreite im Fach Kunstgeschichte. Zum einen hat man sich mit dem Alltag in der Vergangenheit beschäftigt, zum anderen sehr detailliert mit Fresken in Kirchen. Außerdem hat das Studium viele Möglichkeiten geboten, sich mit der Kunstgeschichte in verschiedenen Ländern oder Gegenden auseinanderzusetzen.  


Was ist die größte Herausforderung bei der Arbeit als Museumsleiterin?

Das kommt natürlich sehr darauf an, ob man in einem großen Museum wie beispielweise der Pinakothek in München arbeitet, oder wie ich in einem kleinen Stadtmuseum. Für mich ist die größte Herausforderung die Bandbreite an Aufgaben. Da ich die einzige festangestellte Mitarbeiterin bin, muss ich vom Glühbirne Wechseln, bis hin zum Recherchieren im Archiv alles tun. Zu meinen Aufgaben zählt auch, sich sowohl mit der Umsatzsteuer, Brandschutz, oder dem Lesen von alten Schriftstücken zu befassen.

 

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Zurzeit analysiere ich sehr viele Fotos und recherchiere für die nächste Sonderausstellung. Am Nachmittag, wenn das Museum offen hat, kümmere ich mich um die Besucherbetreuung, dazu gehören zum Beispiel Führungen, oder Fragen beantworten. Aber natürlich auch immer Büroarbeiten und Beschäftigung mit  Literatur.  

Bild: Andrea Kugler/ Stadtmuseum Nördlingen.
Bild: Andrea Kugler/ Stadtmuseum Nördlingen.

Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Am meisten Spaß macht mir die Detektivarbeit. Wenn ich in der Museumssammlung recherchiere, stoße ich auf Dinge, die vor mir noch kein Mensch begutachtet hat.  

 

Inwiefern sind Sie frei, indem was Sie tun in Ihrer Arbeit?

Ich bin sehr frei in meiner Arbeit. Ich muss niemandem Rechenschaft ablegen. Wir suchen Ausstellungen beispielsweise nach Themenjahren aus. Dieses Jahr (2019, Anm. d. Red.) beschäftigten wir uns mit der Nördlinger Messe. Als die Reformation sich vor zwei Jahren zum 500. Mal jährte, haben wir uns selbstverständlich mit den Auswirkungen der Reformation in Nördlingen auseinandergesetzt.

 

Was bedeutet für Sie Public History?

Für mich bedeutet Public History die Umsetzung der historischen Inhalte für das Publikum. Mittlerweile spielt eine große Rolle, dass Geschichte unterhaltsam ist. Ein großer Erfolg bei uns in der Region sind beispielsweise Kindergeburtstage. Bei diesen besuchen wir unsere Steinzeit-Ausstellung, die ohne Licht ausschaut, wie ein Gruselkabinett. Nach einer halben Stunde basteln wir dann noch Muscheln oder Traumfänger und essen mitgebrachten Kuchen. Insgesamt dauert das so etwa zwei Stunden. Dieses Jahr hatten wir bereits mehr als acht Kindergeburtstage.

 

Was würden Sie jemandem raten, der in Ihrem Bereich arbeiten möchte?

Meiner Meinung nach sind Praktika sehr wichtig. Sie geben einem sehr viel Einblick in die verschiedenen Bereiche der Arbeitswelt. Wenn man anschaut, wie unterschiedlich die Arbeit in einem großen Museum beziehungsweise einem kleinen Museum ist, ist es sehr wichtig, dass Studierende diesen Unterschied  kennen. Ich habe beispielsweise während den Semesterferien in unserem kleinen Stadtmuseum ausgeholfen, oder als hilfswissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität. Aber natürlich helfen auch Studentenjobs im kaufmännischen Bereich oder in der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Inwiefern integrieren Sie Digitalität in Ihrer Arbeit und in Ausstellungen?

Das Nördlinger Stadtmuseum hat eine eigene Datenbank. Das bedeutet, ich muss mich,  sobald unsere Sammlung erweitert wird, um die Kartierung  kümmern. Natürlich haben wir auch einen Internetauftritt, diese Website pflegen wir regelmäßig. Zudem tauchen wir auch auf anderen Websites wie etwa die Donauries-Website auf. Unser neuestes digitales Projekt ist unser eigenes Youtube-Video, dass seit kurzem online ist.

 

Was ist besonders an der Nördlinger Geschichte?

Die erste Besonderheit ist, wie lange die Menschen schon hier in der Gegend leben, nämlich seit der Steinzeit. Die zweite Besonderheit ist, dass Nördlingen eine bedeutende Handelsstadt war.

 

Ein Beitrag von Lucia Böck

Quellen zu diesem Text

Infospalte


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