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Warum Kaffe bitter schmeckt

Bild: Charles-André van Loo [Public domain].*
Bild: Charles-André van Loo [Public domain].*

Milch, etwas Zucker, ein Schuss Sahne oder vielleicht doch einfach schwarz? Wie auch immer man ihn gerne trinkt, Kaffee ist als fester Bestandteil der deutschen Genusskultur kaum noch wegzudenken. Das anregende Heißgetränk hat sich seinen Weg durch die halbe Welt und eine lange Geschichte gebahnt und ist heute das beliebteste Getränk der Deutschen, sogar noch vor dem Bier.

 

Kaffee stammt aus dem Hochland Äthiopiens, wo die Bohnen im 9. Jahrhundert noch wegen ihrer stimulierenden Wirkung gekaut wurden. Die Pflanze gelangte im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler auf die arabische Halbinsel. Dort entstand auch die Idee, den Kaffee zunächst zu rösten, um ihn dann mit Wasser und Zucker aufzukochen. Diese Zubereitungsart hat sich längst durchgesetzt. Durch gezielten Anbau dominierten die Araber den internationalen Kaffeehandel. Handelszentrum war die Hafenstadt Mokka, Namensgeberin des gleichnamigen Getränks und Entstehungsort der ersten Kaffeehäuser.

 

Hier entdeckten auch die Europäer bei Reisen in den Orient die Vorzüge des Heißgetränks. Vor allem Ärzte waren fasziniert von seiner Wirkung und bezeichneten sie als „eine Schärfung des Verstandes“. Kaffee helfe bei der „Ernüchterung nach dem Rausche“. So fand die Kaffeebohne im 14. Jahrhundert ihren Weg nach Europa, über das Osmanische Reich, aber auch über Spanien, Portugal und die Niederlande. Die Kolonialmächte ließen den Kaffee von Sklaven anbauen. Diese mussten lebenslang unter dem für den Kaffeeanbau nötigen tropischen Klima auf Plantagen arbeiten. Sie waren dabei elenden Arbeitsbedingungen sowie Misshandlungen ausgeliefert. Währenddessen genossen die europäischen Kaffeetrinker das aromatische Getränk aus feinen Porzellantassen. Mit Zucker (aus den Zuckerrohrplantagen der Karibik) ließ sich der bittere Beigeschmack bestens überdecken.

Bild: Takeaway [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)].**
Bild: Takeaway [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)].**

 Parallel zur industriellen Revolution entwickelte sich der Kaffee im Europa von einem elitären Luxusgetränk zum Massenkonsumgut, das sich alle Bevölkerungsschichten leisten konnten. Die Ausdehnung der Plantagenwirtschaft und die Überproduktion hatten die Preise sinken lassen. Kaffee wurde zum alltäglichen Lebensmittel in deutschen Küchen, teilweise sogar als Suppe getrunken, in die man Brot tunkte.

 

Die Zubereitung des Kaffees wurde immer einfacher, zunächst durch die Entwicklung des Instantkaffees und den 1900 von Melitta Benz erfundenen Kaffeefilter, der das Ansammeln von Kaffeesatz im Getränk verhinderte. Heute wird Kaffee in rund 70 Ländern der Welt angebaut. Obwohl sich die Arbeitsbedingungen verbessert haben und ein wachsender Anteil unter dem „Fair Trade“-Siegel vermarktet wird, werden die meisten Kaffeebauern zu schlecht für ihre Arbeit entlohnt und müssen um jeden Cent kämpfen. Seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart zählt Kaffee zu den wichtigsten Exportgütern ehemaliger Kolonien. In vielen lateinamerikanischen Ländern bildet er eine wesentliche Wirtschaftsgrundlage. Als der Kaffeeanbau noch boomte, profitierte beispielsweise Costa Rica stark davon – trotz schlechter finanzieller Voraussetzungen und einer Berglandschaft, die den Anbau erschwerte. Mithilfe der Kaffeesteuer konnte Costa Rica die erste Eisenbahn und auch das Nationaltheater in San José finanzieren. Auch deshalb genossen die Kaffeebauern ein hohes gesellschaftliches Ansehen.

 

Die Kaffeeplantagen bedecken einen Großteil des Landes und die Wirtschaft ist noch immer maßgeblich auf den Kaffeeexport angewiesen. Auch heute lastet diese Abhängigkeit auf der Landwirtschaft. Die niedrigen Weltmarktpreise gefährden die Lebensgrundlage der ohnehin unterbezahlten Plantagenarbeiter und der Kleinbauern. Hinzu kommt, dass mächtige Großgrundbesitzer mit kleineren Landwirten um Anbauflächen und Absatzmärkte konkurrieren. Das harte Geschäft um die Bohne schwappt nicht bis in die Tasse. Kaffee aus Costa Rica kann bis heute durch eine hohe Qualität und einen besonderen Geschmack überzeugen.

 

Neben dem Bohnenkaffee entstanden auch zahlreiche Ersatzprodukte wie der sogenannte „Muckefuck“ oder der koffeinfreie Zichorienkaffee. Dieser wird aus der Wurzel der gemeinen Wegwarte gewonnen und bot sich in Deutschland zu Kriegszeiten als kostengünstige Alternative an. Auch während der sogenannten „Kaffeekrise“ von 1977 fehlten der DDR die nötigen Devisen, um den Kaffee nach einer Missernte in Brasilien zu teuren Weltmarktpreisen einkaufen zu können. Deshalb bot man der Bevölkerung nun einen zur Hälfte mit Ersatzkaffee gestreckten Kaffee-Mix an – umso begehrter waren Kaffeesendungen von Verwandten aus der Bundesrepublik. Heute müssen wir nicht mehr auf diese Alternativen zurückgreifen und haben die Möglichkeit, Kaffee in allen möglichen Varianten zu genießen. Doch dass dies nicht immer selbstverständlich war und der Kaffee einen langen und finsteren Weg hinter sich hat, sollte dabei nicht vergessen werden. Eine kleine bittere Note bleibt immer...

 

Ein Beitrag von Jennifer Francke

Quellen zu diesem Text


Bildquellen:

*Copyright by Charles-André van Loo [Public domain]

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File-URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Charles_Andr%C3%A9_van_Loo_002.jpg (externer Link, letzter Zugriff 28.10.2019)

 

**Copyright by Takeaway [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)] (externer Link, letzter Zugriff 28.10.2019)

Page-URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maejantai_Chiang_Rai_province_09.JPG (externer Link, letzter Zugriff 28.10.2019)

File-URL: ttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9c/Maejantai_Chiang_Rai_province_09.JPG (externer Link, letzter Zugriff 28.10.2019)

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